Haldol: Indikation eingeschränkt

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markus.gnaedinger
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Haldol: Indikation eingeschränkt

Beitrag von markus.gnaedinger » Di 29. Okt 2019, 13:39

Gemäss aktuellem Schreiben von Janssen wurde die Indikation von Haldol(R) (Haloperidol) eingeschränkt:

es fallen die folgenden Indikationen weg:
- paranoid-halluzinatorische Syndrome
- erethische Oligophrenie
- Erregungszustände beim Alkoholentzugssyndrom

es werden eingeschränkt:
- akute und chronische schizophrene Zustände (nur noch orale Formen)
- Tic-Erkrankungen bei Kindern (neu ab 10 statt 3 Jahren)
- Übelkeit und Erbrechen (nur noch parenterale Formen)

Nachdem man beim Delir keine Neuroleptika mehr anwenden sollte ist dies nun der zweite Dämpfer für diese Substanzklasse!

Agar MR, Lawor PG, Quinn S et al: Efficacy of oral risperidone, haloperidol, or placebo for symptoms of delirium among patients in palliative care: a randomized clinical trial.
JAMA Internal Med 2017; 177(1): 34-42. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.7491

Eva Kaiser
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Re: Haldol: Indikation eingeschränkt

Beitrag von Eva Kaiser » Mo 11. Nov 2019, 14:19

Da ich Haldol gerne in der Palliative Care bei Übelkeit aber auch bei Unruhe/Verwirrtheit einsetze wenn anderes nicht hilft, habe ich Prof. Steffen Eychmüller dazu gefragt. Er meint: "Haldol kannst Du weiterhin als Tropfen geben, war auch bisher schon off- label- Indikation bei Übelkeit, allerdings sehr gut evidenzbasiert. Die Firma hat wegen des niedrigen Preises diese Indikationen nicht mehr weiter beantragt, da die Zulassung teurer wäre als der Ertrag." Bei starker Übelkeit (zB wegen rascher Morphinerhöhung) könne man es auch s.c. oder i.v. geben. Probleme mit der Kostenübernahme gebe es fast nicht. Kostet ja auch fast nichts!
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

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