Haldol: Indikation eingeschränkt

Klinisches im engeren Sinne / De la clinique

Moderator: Lüscher

Antworten
mgnaedin
Beiträge: 1489
Registriert: Mo 10. Jan 2005, 09:18
Wohnort: Steinach

Haldol: Indikation eingeschränkt

Beitrag von mgnaedin »

Gemäss aktuellem Schreiben von Janssen wurde die Indikation von Haldol(R) (Haloperidol) eingeschränkt:

es fallen die folgenden Indikationen weg:
- paranoid-halluzinatorische Syndrome
- erethische Oligophrenie
- Erregungszustände beim Alkoholentzugssyndrom

es werden eingeschränkt:
- akute und chronische schizophrene Zustände (nur noch orale Formen)
- Tic-Erkrankungen bei Kindern (neu ab 10 statt 3 Jahren)
- Übelkeit und Erbrechen (nur noch parenterale Formen)

Nachdem man beim Delir keine Neuroleptika mehr anwenden sollte ist dies nun der zweite Dämpfer für diese Substanzklasse!

Agar MR, Lawor PG, Quinn S et al: Efficacy of oral risperidone, haloperidol, or placebo for symptoms of delirium among patients in palliative care: a randomized clinical trial.
JAMA Internal Med 2017; 177(1): 34-42. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.7491
Dr. med. Markus Gnädinger, Birkenweg 8, 9323 Steinach

evkaiser
Beiträge: 203
Registriert: Mo 5. Jun 2006, 15:19
Wohnort: Meiringen-Hasliberg, BE
Kontaktdaten:

Re: Haldol: Indikation eingeschränkt

Beitrag von evkaiser »

Da ich Haldol gerne in der Palliative Care bei Übelkeit aber auch bei Unruhe/Verwirrtheit einsetze wenn anderes nicht hilft, habe ich Prof. Steffen Eychmüller dazu gefragt. Er meint: "Haldol kannst Du weiterhin als Tropfen geben, war auch bisher schon off- label- Indikation bei Übelkeit, allerdings sehr gut evidenzbasiert. Die Firma hat wegen des niedrigen Preises diese Indikationen nicht mehr weiter beantragt, da die Zulassung teurer wäre als der Ertrag." Bei starker Übelkeit (zB wegen rascher Morphinerhöhung) könne man es auch s.c. oder i.v. geben. Probleme mit der Kostenübernahme gebe es fast nicht. Kostet ja auch fast nichts!
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

Antworten