Auswirkung der 50-Stundenwoche am Spital

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Auswirkung der 50-Stundenwoche am Spital

Beitrag von markus.gnaedinger » Mi 29. Feb 2012, 07:42

Eine Studie des Spitals Biel untersuchte die Auswirkung der 50-Stundenwoche auf das Outcome der Patienten und kam dabei zu negativen Schlussfolgerungen: http://www.smw.ch/content/smw-2012-13506/.

Der VSAO widerspricht den Resultaten heftig:
Fragwürdige Studie in der Swiss Medical Weekly



Liebe Mitglieder

Im Januar wurde in der Swiss Medical Weekly eine Studie aus der Chirurgie des Spitalzentrums Biel veröffentlicht, die zum Schluss kommt, dass die Einführung der 50-Stunden-Woche nicht zu mehr Patientensicherheit führe, dass im Gegenteil die Mortalität und die Komplikationsrate leicht zugenommen habe. Damit sei das Ziel, das man mit der Unterstellung der Assistenzärzte unter das Arbeitsgesetz erreichen wollte, nicht erfüllt. Die Sonntagszeitung hat im Februar über die Studie berichtet.

Die Studie weist leider gravierende Mängel auf und es werden unzulässige Schlussfolgerungen gezogen. Exemplarisch seien hier einige Punkte erwähnt:
• Die Studie vergleicht die Verhältnisse von 2001-2004 einerseits und 2005-2008 andererseits. Im Kanton Bern wurde die 50-Stunden-Woche aber bereits mit dem Gesamtarbeitsvertrag im Jahr 2000 eingeführt. Gemäss einer Studie des Büro BASS aus dem Jahr 1998 betrug die wöchentliche Arbeitszeit in den chirurgischen Abteilungen im Kanton Bern 73,3 Stunden.
• Entsprechend sank die Arbeitszeit gemäss Studie auch nur unbeträchtlich von 52,5 auf 49,7 Stunden. Dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant (p = 0.11), wird in der Studie aber trotzdem als "Intervention" dargestellt.
• Die effektiven Arbeitszeiten entsprechen nicht unbedingt den erfassten Arbeitszeiten. Als Folge des Arbeitsgesetzes werden, gerade in chirurgischen Fächern, auf Druck nicht mehr alle Stunden aufgeschrieben.
• Bei den Schutzbestimmungen des Arbeitsgesetzes geht es nicht nur um die wöchentliche Höchstarbeitszeit. Genau so wichtig sind die Bestimmungen betreffend Ruhezeiten, Arbeitstage am Stück, Nachtarbeit und – wichtig im Gesundheitswesen – betreffend Pikettdienst. Diese Punkte werden in der Studie überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl aus zahlreichen Studien bekannt ist, dass es entscheidende Punkte für die Arbeitssicherheit sind.
• Es ist zudem offensichtlich, dass eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit ohne gleichzeitige Prozessoptimierung und Neuorganisation den Stress nicht mindert, zumal der Kostendruck im Spitalzentrum Biel gleichzeitig noch einen Personalabbau zur Folge hatte. Hinzu kommt, dass die administrativen Aufgaben, gerade bei den Assistenzärzten, weiter zugenommen haben. Es ist daher unzulässig, die Einführung der 50-Stunden-Woche für den Stress verantwortlich zu machen und eine Korrelation zu Mortalität und Komplikationen herzustellen.
• Die Stichprobe der Patienten ist mit rund 1'300 viel zu gering und zu wenig vergleichbar. So gab es deutlich mehr Wahleingriffe und weniger Notfälle in der Gruppe von 2001-2004. Über den Case mix und den Case load ist ansonsten wenig bekannt.
• Aus der Studie ist auch nicht ersichtlich, welchen Anteil Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte an der Behandlung hatten. Immerhin gilt das Arbeitsgesetz nur für sie. Die Leitenden Ärzte und die Chefärzte erfassen ihre Arbeitszeit nach wie vor nicht.
Offenbar ging es den Autoren in erster Linie darum, das Arbeitsgesetz ein weiteres Mal zu diskreditieren.

Besten Dank und herzliche Grüsse.

Christoph Bosshard
Präsident VSAO

Rosmarie Glauser
Politische Sekretärin VSAO

AnnSu
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Registriert: Mi 19. Okt 2011, 20:08

Re: Auswirkung der 50-Stundenwoche am Spital

Beitrag von AnnSu » Di 6. Mär 2012, 18:04

Nun warte ich noch auf die Studie, die endlich belegt, dass die jungen Assistenten ja ach so dumm sind, WEIL sie viel zu wenig arbeiten... :x

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