Medikamenten-Boni

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Moderator: markus.gnaedinger

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markus.gnaedinger
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Medikamenten-Boni

Beitrag von markus.gnaedinger » Mi 6. Feb 2008, 07:55

Medikamenten-Boni

Habe gestern mit einem Ärztebesucher einer Pharmafirma diskutiert. Er hat mir für den Einkauf der Produkte einen Abschlag von 25 % unter dem Exfactory Preis angeboten, mit dem Hinweis "die anderen Firmen bieten das auch an" und "es herrschen wieder Zustände wie vor der 'Reglementation'".

Falls das wirklich so ist, wir er mir das rapportiert hat - und ich sehe keinen Grund, warum er mich belügen sollte - wäre das eine mittlere Katastrophe für die Sache der Direkten Medikamentenabgabe (DMA). Tatsache ist, dass wir in DMA-Gebieten einen nicht unwesentlichen Teil unseres Jahreseinkommens mit den Medikamentenverkäufen bestreiten, unser Personal entsprechend besser auslasten und die Krankenkassen mit tieferen Taxpunkten im Tarmed entlasten könnnen. Und für viele Patienten auf dem Land ist die Arztpraxis in der Tat "die nächstgelegene Apotheke". Tatsache ist auch, dass BR Couchepin schon lange auf eine Gelegenheit wartet, die DMA abstellen zu können und dass im Kanton Zürich eine wichtige Abstimmung zu diesem Thema ansteht.

Was könnte die Motivation der Ärzte sein, bei solchen Geschäften mitzumachen? Die Pharmafirmen weisen die Rabatte und Boni auf den Rechungen aus, verhalten sich also legal. Die Ärzte müssten also alles, was sie preislich unter dem Exfactory-Preis rausschlagen, den Patienten weitergeben. Das ist schwierig. Die einfachste Methode wäre, den dem Publikum verrechneten Preis entsprechend zu senken. Beim nächsten monatlichen Preisupdate der Software würden die Preise aber wieder auf den vom BAG festgesetzen Wert erhöht, und die Rechnung nach drei Monaten ohne Abschlag herausgehen. Der Ärzteverbund MediX löst das Problem so, dass Patienten im Hausarztmodell z.B. Gratis-Grippeimpfungen gemacht werden, nebst anderen Vergünstigungen.

Leider muss ich annehmen, dass die Vergünstigungen beim Einkauf der kassenpflichtigen Medikamente von den meisten Kollegen dem Wirtschaften in die eigene Tasche dienen. Das ist klar illegal! Mein Beitrag im Forum dient dem Zweck, diese "Eiterbeule" beizeiten aufzustechen, bevor der umliegende "gesunde Organismus" in Mitleidenschaft gezogen wird, oder es gar zur Amputation oder Notschlachtung seitens des BAG kommt.

Schilling Gerhard
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Beitrag von Schilling Gerhard » So 10. Feb 2008, 10:13

Markus Gnädinger spricht da ein ganz wichtiges und sehr heikels Thema an! Diese Rabattpraktiken dürfen auf keinen Fall wieder Einzug halten !!!

Ob uns das passt oder nicht: im KVG-Gesetz ist klipp und klar geregelt, dass zusätzliche Rabatte dem Kunden (dh den Patienten und damit den KK) weitergegeben werden müssen. Ich möchte alle KollegInnen dringendst warnen, hier sich die eigenen Finger und aber auch die von uns allen selbstdispensierenden Kollegen nicht zu verbrennen! Sowohl Behörden wie Politiker, aber auch Kassen und Apotheker warten nur auf eine solche Dummheit. Dann können wir uns die ganze Diskussion um die SD definitiv abschminken. Die damalige Labor-Rabattgeschichte lässt grüssen.

Ich verstehe aber auch die Pharmafirmen nicht. Natürlich ist im Moment der Konkurrenz- und Verdrängungsmarkt enorm. Mit diesen gewährten Zusatzrabatten demonstrieren sie aber klipp und klar, dass bei der Preisgestaltung immer noch Luft drin ist und die Preise generell und für alle gesenkt werden können. Damit wäre dem Gesundheitswesen und uns allen am meisten gedient.

Also nochmals: Finger weg von solchen illegalen Zusatzrabatten oder dann belegbare Weitergabe an die Patienten, was allerdings im Einzelfall kompliziert und schwierig ist.

Wir Ärzte hätten eigentlich ein unschlagbares Argument für die Selbstdispensation: nebst der unbestreitbaren Patientenfreundlichkeit und der eindeutig verbesserten Compliance können und müssen wir die Ausschaltung eines zusätzlichen und kostentreibenden Zwischenhandels thematisieren und entsprechend auch generell gegenüber den Apotheken ein günstigeres Kostenniveau anstreben. Ich bin der Meinung, dass wir hier unsere Anstrengungen mit eigenen Grossisten oder Direktbezug ausbauen sollten und dann wie erwähnt generell diesen Kostenvorteil den Patienten weitergeben können und müssen. Das würde die Diskussion für die Selbstdispensation voranbringen.

markus.gnaedinger
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Bezug über Grossist

Beitrag von markus.gnaedinger » Di 12. Feb 2008, 18:16

Bezug über Grossist löst Teil der Probleme

Ich beziehe meine Medikamente über die Apotheke zur Rose. Dieser ärzteeigene Grossist hat jüngst seine Dienstleistungskosten (DLK) auf ein durchaus konkurrenzfähiges Niveau gesenkt. Die Produkte der eigenen Generikafirma "Helvepharm" kann man bei der "Rose" zum Exfactory-Preis (EFP, statt Rose-Basispreis) beziehen. Gleiches gilt für die Produkte meines hauptsächlichen Generikaproduzenten. Dazu kommen natürlich die DLK, dies führt dazu, dass meine für Generika bezahlten Preise in der Regel über der von der APA (Ärzte mit Patientenapotheke) vorgeschlagenen sicheren Schwelle von EFP + 1% liegen. Dafür verbilligen sich die Dienstleistungskosten für alle übrigen Produkte, die ich zu normalen Konditionen über die "Rose" beziehe, weil meine DLK dank dem Mehrumsatz sinken. So stellt sich meine Gesamtrechnung dar, wie wenn ich die Generika beim Hersteller bezogen hätte und die anderen Medikamente bei der "Rose"; ich werde so aber sicher keinerlei Legalitätsprobleme bekommen.

Liebe KollegInnen und Kollegen

Betrachten Sie die Geschichte doch mal von der Seite unserer KollegInnen, welche keine DMA haben oder momentan darum kämpfen müssen. Uns bringt die DMA ein im Durchschnitt 60'000 CHF höheres Jahreseinkommen, zufriedenere PatientInnen und besser beschäftiges Personal (resp. Lehrtöchter, die wir sonst nicht beschäftigen könnten). Bitte verzichten Sie auf illegale Machenschaften. Denken Sie ans Ganze und nicht an die paar Tausend Franken, welche Sie zusätzlich aus den Generikafirmen "herausmelken" könnten.

Sonst geht es Ihnen wie der alten Fischersfrau im Märchen "Der Fischer und seine Frau". Sie wollte immer höher hinaus und sass am Schluss wieder in ihrem alten Fischerpott.

»Mantje, Mantje, Timpe Tee,

Buttje, Buttje in der See!

Meine Frau, die Ilsebill,

will nicht so, wie ich wohl will!«



»Was will sie denn jetzt?«, fragte der Fisch.

»Ach«, sagte er, »sie will Herr über Sonne und Mond werden.«

»Geh nach Haus«, sagte der Fisch, »sie sitzt wieder im Pisspott.«

Und dort leben sie noch heute.

dganzoni
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Beitrag von dganzoni » Mi 13. Feb 2008, 08:16

Wer mir ein solches Angebot unterbreitet kommt mir kein zweites mal in die Praxis. So geschehen.
Persönlich finde ich, dass wir uns nicht auf dieses Niveau herunterlassen sollten und dürfen. Ich kennen die ''alten'' zustände nicht. Ich finde es ganz einfach unehrlich mich auf diese Weise zu bereichern. Zudem verschafft man sich eine Abhängigkeit in der Regel von einer Generikafirma welche nur ein kleines Sortiment führt.
Ich konzentriere mich selbst auf möglichst wenig Generikafirmen. Den Medikamentenbezug tätige auch ich fast ausschliesslich über einen Grossist (Pharmapool). Neben exzellenter Dienstleistung steht vor allem die logistische Vereinfachung im Vordergrund. Wer jedoch Direktbezüge zum Ex-factorypreis tätigt soll das tun. Dabei kann jeder ganz regulär minimal ''sparen''.

gschlatter
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Rabatte

Beitrag von gschlatter » Fr 15. Feb 2008, 06:59

Gut, dass ihr das Thema aufgreift. Der Apotheker als Zwischenhändler ist unnütz und preistreibend. Er hat seine Daseinsberechtigung verloren, seit er keine eigenen Produkte mehr herstellt und zum reinen Verkäufer mutiert hat. Dass sich unser Gesundheitswesen diesen Luxus leistet ?! Die Engländer haben auf Druck der Gewerkschaften noch lange Zeit Heizer auf den Elektrolokomotiven mitfahren lassen. - und noch eine persönlich Erfahrung : wir kauften vorübergehend Mephaprodukte mit 20 % Rabatt. Als die Aktion eingestellt wurde, realiserte niemand in der Praxis diese Tatsache und wir haben über Monate die Produkte zum verbilligten Preis weiterverrechnet. Zum Glück habe ich keine Möglichkeit, den Schaden, der dadurch entstanden ist, zu berechnen, sonst würde ich mich wohl darüber ärgern..

UrsEnggist

Medizin ein Beruf von Gottesgnaden

Beitrag von UrsEnggist » Di 4. Mär 2008, 08:34

Jeder Handwerker ist erstaunt, dass wir Ärzte nicht "Preis-verhandeln" dürfen, auch speziell bei "Einkäufen jeglicher Art". Dass wir Ärzte dies nicht gewohnt sind, ist spätestens seit dem KVG klar: Unternehmer-Risiko (zunehmends bei uns), alles andere regelt der Staat und die KK !
Ich bin immer noch der Meinung, dass die Grundversorger-Gesellschaften -sicher bei Kontrahierungszwang-Auflösung- dem KVG in toto der Rücken zukehren müssten....nur, wo bleibt "Solidarnosch" unter den GV?? :( :evil:

dganzoni
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Beitrag von dganzoni » Di 4. Mär 2008, 11:59

Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, dass es zunehmend Medikamente gibt ohne empfohlenen Verkaufspreis. Darunter auch prominente wie Dormicum Apm.
Die selbständige Preisfestsetzung, in einem zumindest gemässigtem Rahmen, ist in diesem Falle möglich.

wtrueb
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Pharmapool Erfahrung

Beitrag von wtrueb » Mi 9. Dez 2009, 14:46

Hallo Kollegen

Hiermit moechte ich über meine 3 Monatige Erfahrung mit Pharmapool berichten. Das einzige was mir einfällt ist "Eine Katastrophe". Medikamente werden entweder zu spät geschickt oder gar nicht. Erst nach meiner Telefonischer Nachfrage ging. Selbstverständlich nachdem ich mich ständig bei den Patienten in Namen von Pharmapool entschuldigen musste. Wenn der Patient eine Ausländische Krankenkasse hat, werden die Rechnungen AN ARZT geschickt! Obwohl der Patient in der Schweiz wohnhaft ist.
Ich bekam ständige Telefonate der Pharmapool-Mitarbeiterin was meiner Betrieb sehr gestört hat.

Als ich (mit Grund) reklamierte, die einzige Antwort war, dass ich keine Verantwortung für Pharmapool übernehme deswegen wird die Geschäftsbeziehung aufgehoben.....

Also CAVETE Kollegen.

Niklaus Egli
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Medikamenten-Boni

Beitrag von Niklaus Egli » So 28. Mär 2010, 21:11

Wer ist immer noch so naiv, überhaupt Aerztebesucher von Pharmafirmen zu berücksichtigen ? Schade für die Zeit, die korrupten strafwürdigen Angebote überhaupt anzuhören !
Kennt niemand die Meinung von Etzel Gysling ?
Dann kommt zum Fortbildungskurs nach Arosa.

Niklaus Egli

amindoc
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Beitrag von amindoc » Mo 29. Mär 2010, 14:07

müssen wir nicht davon ausgehen, dass solche angebote auch den apotheken unterbreitet werden?

warum führt dann die eine apotheke nur mepha-produkte und die andere nur die von der sandoz?

sind nicht auch die apotheken verpflichtet, allfällige rabatte, die sie beim einkauf erzielen, den konsumenten weiterzugeben?

oder zählen diese konditionen wiedereinmal nur für die aerzte?

amindoc

Urs Enggist
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Vermutungen

Beitrag von Urs Enggist » Mo 29. Mär 2010, 15:31

Ja das Rabattwesen in den Pharmazien ist so eine Sache...

Es gibt da noch ein Türchen das heisst OTC und ich glaube, dass dies der Schlüssel zum Rabatt-Schloss in den "grünen Kreuz-Läden" ist!?

..nur wer kann es beweisen resp. wiederlegen??

PES
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Rabatte

Beitrag von PES » Di 22. Jun 2010, 21:26

Liebe Kollegen,

ich habe gehört, dass bei gewissen Ärztenetzwerken Vereinbarungen mit gewissen Generikafirmen bestehen, dass nur die Generika dieser Firma verordnet oder abgegeben werden.
Da wäre es schon interessant, die Konditionen zu kennen.
Rabatte? Es lassen sich sicher auch andere Abgeltungen als Rabatte finden (z.B. Finanzierung der Fortbildung der Ärzte oder der Qualitätszirkel etc.). Sind diese Abgeltungen dann OK?

PES

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OTC oder andere neue Einnahmequellen

Beitrag von Urs Enggist » Do 24. Jun 2010, 06:57

OTC oder andere neue Hausarzt-Einnahmequellen


Ja ich habe es bestätigt erhalten (früherer Apotheker-Besucher)

OTC, Schaufenstermiete, Standflächenmiete, u.ä.

ist der Schlüssel zum Erfolg (siehe meine obigen Voten)


Ich habe nun mein Wartezimmer vermietet/verkauft (bis dato = joke), hoffentlich merkt es das Steueramt nicht, dass ich die 10 jährigen Wartezimmer-Stühle verkauft habe!

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Diskussion ins geschlossene Forum verlegt!

Beitrag von markus.gnaedinger » Di 31. Aug 2010, 07:44

Auf Wunsch von PES Verlegung der Diskussion ins geschlossene Forum: http://www.forum-hausarztmedizin.ch/bb/viewtopic.php?t=1070

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