Blutspenden von Patienten mit Hämochromatose

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Moderator: markus.gnaedinger

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Albert Kind
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Blutspenden von Patienten mit Hämochromatose

Beitrag von Albert Kind » Mi 19. Aug 2009, 13:58

Immer wieder sind in den Medien Aufrufe zur Blutspende zu lesen. Es ist gar nicht so einfach, immer genügend Freiwillige zu rekrutieren. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Patienten, deren einzige Krankheit eine Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose ) ist. Therapie der Wahl sind regelmässige Aderlässe. Die Krankheit ist ja nicht ansteckend und bis jetzt hat mir noch niemand erklären können, warum diese therapeutischen Aderlässe nicht in Form von regelmässigen Blutspenden erfolgen könnten. Die Blutspendezentren entnehmen zwar das Blut, entsorgen es jedoch als Sondermüll und stellen den Patienten eine nicht kleine Rechnung für diesen Sevice. Hier läge doch eine Möglichkeit, Kosten einzusparen.

Hat jemand unter den Kolleginnen und Kollegen eine plausible Erklärung dafür?
Weiss jemand, wie im Ausland verfahren wird?
Dr. med. Albert Kind
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markus.gnaedinger
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Nur gesunde freiwillige Spender erwünscht!

Beitrag von markus.gnaedinger » Mi 19. Aug 2009, 15:13

Habe als Intro für eine Eisen-Fortbildung des EMH-Verlages, die ich nächste Woche moderieren werde, den folgenden Text verfasst:

Eine Patientin mit Kolonkarzinom kollabiert. Sie erhält vier Beutel Blut und bekommt Eisentabletten. Eine Eiseninfusion sei nicht nötig, da man das Blut vor der Operation „schon wieder auffüllen werde“.

Ich mache Aderlässe bei Hämochromatose-PatientInnen. Leider werden diese als Blutspender abgewiesen, da man nur gesunde Freiwillige nimmt.

Gleichzeitig „jammert“ das Blutspendezentrum über die saisonale Knappheit an Konserven. Wer hat denn hier recht?


Habe diesen Sachverhalt auch schon verschiedentlich an unser lokales Blutspendezentrum St. Gallen gemeldet. Nie eine Antwort erhalten!

Urs Enggist
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nicht ganz sicher

Beitrag von Urs Enggist » Do 20. Aug 2009, 06:59

So viel ich weiss, dürfen nur gesunde Personen Blut geben, dh. Blut für Transfusionen ist immer von Gesunden (was das auch immer bedeutet).

Hämochromatose ist per se eine Krankheit und damit ist "medizinisch-iuristisch" die Sache gelaufen.

Aber fragt doch einmal zentral in Bern am Hauptsitz an.

Hitzegruss Teddy

markus.gnaedinger
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Doch nicht klar???

Beitrag von markus.gnaedinger » Do 20. Aug 2009, 08:22

Teddy schreibt:
Hämochromatose ist per se eine Krankheit und damit ist "medizinisch-iuristisch" die Sache gelaufen.


So klar ist die Sache dann doch nicht, sonst müsste das SKR bei den Blutspendern aktiv nach einer Hämochromatose suchen, was es aber nicht tut. D.h. Leute, die sagen "Ich habe eine Hämochromatose", werden ausgeschlossen, Leute die nichts sagen (ob wissentlich oder nicht) bekommen den Aderlass (und sogar ein Sandwich oder eine Ovi).

Selbstverständlich habe ich das SRK auf diese Problematik hingewiesen, die Antwort kannst du unten lesen:
" "

schubi
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Beitrag von schubi » So 30. Aug 2009, 20:38

Ich habe genau diese Frage erst vor kurzem einem befreundeten Hämatologen gestellt.
Seine Antwort war folgende:
Da es sich bei der Hämochromatose um eine hereditäre Erkrankung handelt und im Spenderblut Stammzellen sein könnten, besteht ein absolut minimales Risiko, dass sich der Blutempfänger "ansteckt".

... no coment...
Brigitte Schubiger Leen

Albert Kind
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Beitrag von Albert Kind » So 30. Aug 2009, 21:53

Die Argumentation mit der Ansteckung über Stammzellen scheint mir völlig aus der Luft gegriffen und abenteuerlich. Dann könnte doch genau so gut ein Diabetes oder eine Krebsveranlagung und vieles mehr via Bluttransfusion übertragen werden.
Abgesehen davon: Wir müssen doch einsehen, dass sowieso jedes Jahr allein in der Schweiz Hunderte, wenn nicht Tausende von Blutspenden verwendet werden von Hämochromatose-Patienten, die einfach (noch) nichts von ihrer Veranlagung wissen. Wenn man einen vernünftigen Grund zur Annahme hätte, dass ihr Blut eine Gefahr für den Empfänger darstellen könnte, müsste man doch vor der Blutspende auf Hämochromatose screenen.
Im Internet habe ich übrigens gefunden, dass in Luzern inzwischen Hämochromatosepatienten mit Einschränkungen zur Blutspende zugelassen sind.
http://www.bsd-luzern.ch/000000987a0def ... index.html
Ist es nicht eher so, dass die Verantwortlichen einfach keine Zeit und/oder keine Lust haben, sich damit zu befassen? Dass Markus Gnädinger mit seiner Anfrage bei der zuständigen Stelle nicht einmal eine Anwort bekommen hatte, könnte diesen Schluss jedenfalls nahelegen.
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schubi
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Beitrag von schubi » So 30. Aug 2009, 22:17

Danke für den Hinweis, ich werd`meine Patientin mit diesem Artikel in der Hand zum Blutspendedienst Zentralschweiz schicken. Mal sehen, wie diese reagieren.
Brigitte Schubiger Leen

Urs Enggist
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Link

Beitrag von Urs Enggist » Mo 31. Aug 2009, 08:31

ja dieser Link ist nun wirklich gut (gehört zu den Patienten-Info-Formulare)

Danke Albert

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