wenig patientenfreundliche Konakion Ampullen

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Albert Kind
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wenig patientenfreundliche Konakion Ampullen

Beitrag von Albert Kind » Mo 28. Sep 2009, 20:13

Leider sind die praktischen Konakion Kautabletten nicht mehr erhältlich. Die Verwendung der (teureren) auch oral anwendbaren Ampullen Konakion hat seine Tücken. Mit Ausgiessen oder Ausschütteln lässt sich die Ampulle nur unvollständig leeren. Es braucht eine Spritze mit Nadel dazu. Dies steht zwar in der Patienteninformation. Man muss die Patienten aber speziell darauf hinweisen. Wenn sie den Inhalt in ein Glas Fruchtsaft schütten, merken sie vielleicht gar nicht, dass der grösste Teil der Flüssigkeit in der Ampulle geblieben ist. Unliebsame Überraschungen können die Folge sein: kein normalisierter INR zum Zeitpunkt eines geplanten Eingriffs!
Dr. med. Albert Kind
Arzt für Allgemeine Medizin FMH
Steigstrasse 88
8200 Schaffhausen
Tel 052 625 86 00
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markus.gnaedinger
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Lipophil - besser nicht mit Fruchtsaft

Beitrag von markus.gnaedinger » Di 29. Sep 2009, 07:33

Eine Aufsaugspritze wird mit der Packung von 5 Ampullen mitgeliefert. Ich sage den Leuten, sie sollen die Ampullen mit einer fett- oder ölhaltigen Mahlzeit einnehmen, der besseren Resorption dieses lipophilen Vitamins wegen. Meist gebe ich Konakion bei oral Antikoagulierten in der Praxis ab, ziehe es selber auf und zähle die Tropfen ab, die ich den Patienten direkt in den Mund abgebe - anschliessend wird mit einem Schöggeli "nachgespült". Zu erwähnen ist, dass Konakion-Ampullen einen sehr schlechten Geschmack im Mund geben.

Lüscher
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Beitrag von Lüscher » Mi 30. Sep 2009, 17:13

Eine beigelegte Aufsaugspritze habe ich bisher nur bei den pädiatrischen Ampullen (Konakion MM paediatric, 2mg/0.2ml), nicht aber bei den "normalen" (Konakion MM 10mg/1ml) angetroffen. Die Spritze (mit langem Ansaugröhrli) fasst lediglich 0.2ml.

Eine Verwechslungsgefahr der beiden Dosierungen ist nicht von der Hand zu weisen (jedenfalls hat mir die MPA auch schon die falsche Sorte gereicht). Die Beschriftung der Ampullen und der Packungen mag sämtliche formalen swissmedic-Vorgaben erfüllen, wirklich praxistauglich ist sie jedoch nicht.

Warum die Kautabletten verschwunden sind, entzieht sich zwar meiner Kenntnis - möglicherweise sind die eben erwähnten Vorschriften von swissmedic nicht ganz unschuldig daran. Was für mich wieder einmal die prinzipielle Frage aufwirft, was swissmedic eigentlich unter Arzneimittelsicherheit zu verstehen beliebt ...

markus.gnaedinger
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Antwort Fa. Roche

Beitrag von markus.gnaedinger » Sa 17. Okt 2009, 11:13

Anbei die Antwort, welche ich von der Fa. Roche erhalten habe:

Gerne antworten wir Ihnen zur Situation der Konakion Ampullen unter Berücksichtigung der Beiträge im Forum für Hausärztemedizin.

Geschmacksverbesserung
Ihre Methode der Geschmackskorrektur bei der Gabe von Konakion Ampullen oral ist mit Sicherheit etwas, was Ihre Patienten sehr goutieren.
Das Lecithin in der Mischmizellen Formulierung (MM) schmeckt halt durch.

Dispenser
Die Dispenser sind für die 0.2 ml Konakion MM paediatric Ampullen primär für den pädiatrischen Bereich und für die Applikation kleinerer Mengen an Vit K1 geeignet.

Für Mengen von 5 -10 mg Vit K1 sind kalibrierte Spritzen mit 1 ml Volumen geeignet. Nach Abziehen der Kanüle kann der Inhalt genau dosiert direkt in den Mund appliziert werden.

Gründe für Einstellung Konakion Kaudragées
Die Konakion Kaudragées waren ein typisches Vitamin Produkt von Roche OTC, sowohl vom Verkaufsstatus her als auch von der Herstellung.
Mit dem Verkauf aller OTC Produkte an die Fa. Bayer entfielen die Möglichkeiten, eine Kautablette „Chewing gum“ in eigener Regie herzustellen. Somit verblieben die Kaudragées noch eine Weile als Exot bei Roche im Programm.
Dann wurde europaweit beschlossen, die Formulierungen von Konakion zu harmonisieren und nur noch Konakion MM Ampullen im Handel zu behalten.
Konakion MM Ampullen und Konakion MM paediatric sind in der Zusammensetzung gleich.
Per August 2006 wurde dieser Beschluss umgesetzt und der Vertrieb von Konakion Kaudragées eingestellt.

Hier muss allerdings eingeräumt werden, dass danach sehr viele Anfragen nach Kaudragées bei uns eingingen und auch sehr häufig nachgefragt wurden, wie die Ampullen von einem Laien zu öffnen und zu applizieren seien.

Dazu noch eine abschliessende Empfehlung
Die Ampullen besitzen einen weissen Punkt. Dieser sollte zum Öffnen zum Patienten hin gerichtet sein.
Dann den Ampullenkörper in eine Hand nehmen, und den Ampullenhals mit einem Tupfer oder etwas Küchenpapier umwickeln und nach hinten weg brechen.
Der Ampullenhals hat eine Sollbruchstelle und bricht in der Regel glatt ab. Die Konakion Ampullen sind sog. OPC (one point cut) Ampullen.
Zum Glück brauch man sie nicht mehr anzusägen!

Die Entnahme des Inhalts sollte fachgerecht erfolgen per Spritze, danach vor Applikation die Kanüle entfernen.

Wir hoffen, dass diese Information etwas mehr Verständnis schafft.

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