Parkinsonkrankheit und Osteoporose

Geschichten um die Praxis - narratives / Narratives des histoires du cabinet, médecine narratives

Moderator: raltorfer

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markus.gnaedinger
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Parkinsonkrankheit und Osteoporose

Beitrag von markus.gnaedinger » Do 22. Mär 2012, 10:41

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit der Assoziation der Parkinson-Erkrankung mit der Osteoporose. Dies hat letztes Jahr zur Publikation eines Reviews über dieses Thema im Swiss Medical Weekly geführt: http://www.smw.ch/content/smw-2011-13154/. Eine Schlussfolgerung des Reviews war, dass L-Dopa-haltige Medikamente (Madopar/Sinemet) zu einer massiven Hyperhomozysteinämie führen, die ein wichtiger Teilfaktor für die bei Parkinsonpatienten beobachtete Osteoporose sein könnte.

Ich klopfte bei unserer Medikamenten-Behörde an, ob man nicht Osteoporose als Nebenwirkung bei diesen Präparaten erwähnen müsste. Ich schrieb die Firmen selber an. Nach bald einem Jahr frustranen Bemühungen entschloss ich mich, an die Öffentlichkeit zu gehen und schrieb ein kleines Pamphlet für unsere Ärztezeitung: http://www.saez.ch/pdf_d/2012/2012-12/2012-12-108.PDF.

Ich möchte Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen mit diesem Forumseintrag auf die Problematik aufmerksam machen und Sie bitten, PatientInnen mit dem gelben Zettel zu melden, die unter L-Dopa eine Osteoporose entwickeln. Ob dabei die L-Dopa-Therapie nur ein "Marker" für die Knochenschädigung oder die (Teil-)Ursache ist - für den Gewarnten spielt dies keine Rolle, Hauptsache er weiss um die Gefahr!

Herzlichen Dank und liebe Grüsse

Markus Gnädinger

raltorfer
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Re: Parkinsonkrankheit und Osteoporose

Beitrag von raltorfer » Fr 23. Mär 2012, 03:53

Das kommt wohl davon, dass sich Neurologen wenig für Rheumatologie und Rheumatologen wenig für Neurologie interessieren. Typisch, dass ein Hausarzt beides zusammen bringen muss.

markus.gnaedinger
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Re: Parkinsonkrankheit und Osteoporose

Beitrag von markus.gnaedinger » Sa 31. Mär 2012, 07:50

Eine Bemerkung im Nachgang zu meinem Artikel in der SAEZ und zu meinem Beitrag im Forum: PD Dr. med. Stefan Russmann, Klinische Pharmakologie USZ hat mich auf eine interessante Arbeit hingewiesen, nach der ein genetischer Polymorphismus die Bildung von Homozystein beeinflussen könnte, dies selbstverständlich auch bei Patienten mit M. Parkinson. Dies bedeutet, dass neben der von mir angeschuldigten Therapie mit L-Dopa (Madopar, Sinemet) auch die individuelle Genetik beteiligt sein könnte und schliesslich weitere ebenfalls mit der Parkinsonkranheit assoziierte Faktoren wie Mangelernährung, Folsäure, B12- und B6-Mangel. Schliesslich hat er auch gesehen, dass die von mir zitierte Arbei von Lee SH 2010 zwar bei Parkinsonpatienten höhere Spiegel von Homozystein gefunden hat wie bei gesunden Kontrollen, jedoch bestand innerhalb der Gruppe von Parkinsonpatienten kein signifikanter Unterschied zwischen jenen mit und jenen ohne L-Dopa-Therapie. Ich habe in meiner Praxis bei etwa 6 Patienten, alle davon mit höheren L-Dopa-Dosen konsistent erhöhte Spiegel von 20 bis 30 mcmol/l festgestellt; aber wie die Studie von Lee zeigt, sind zumindest in der Koreanischen Bevölkerung eher tiefere Spiegel gemessen worden und sind diese nicht so konsistent wie in meinem kleinen Kollektiv.

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