Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Standespolitik, Tarif, Notfalldienst / Politiques professionelles, tarifs, services d’urgences

Moderator: Eva Kaiser

Antworten
C.Huettenrauch
Beiträge: 270
Registriert: So 15. Jul 2012, 20:43
Wohnort: Teufen
Kontaktdaten:

Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von C.Huettenrauch » Sa 27. Jul 2019, 12:00

Felix Schneuwly nimmt Stellung zu den Gesundheitskosten
„..Die #Ärzte lenken wie andere Akteure im Gesundheitswesen, die für den “Nutzen” bezahlt werden wollen, von der immer noch ungenügenden #Transparenz der medizinischen #Qualität ab...“
https://m.20min.ch/videotv/?cid=223&vid=697857

Video: 20 min

Ihre Meinung?
M.E bräuchte es gegen solcherart ständig provokative gesundheitspolitisches Spinning eine öff. wahrnehmbare schnelle „Medien-Einsatzgruppe der Ärzteschaft“, die auch im Sommerloch unterwegs ist :?

C.Huettenrauch
Beiträge: 270
Registriert: So 15. Jul 2012, 20:43
Wohnort: Teufen
Kontaktdaten:

Schneuwly & QM

Beitrag von C.Huettenrauch » So 28. Jul 2019, 15:15

Ich habe mir das Video angesehen, in dem sich Herr Felix Schneuwly u. a. zu „Nutzen und Qualität im Gesundheitswesen“ auslässt:
.
Wie bekannt, sollte man beim Thema "Qualitätsmessung im Gesundheitswesen" regelmäßig nachfragen, wie denn bitte die Qualität gemessen werden soll.
Ob nicht der medinische Output, sondern nur Sekundärparameter (Wartezeit auf OP, Anzahl der OPs, Schnitt-Naht-Zeit, Anzahl der Komplikationen, ....) gemessen bzw. ausgewertet werden?
.
Meine Behauptung:
Qualität einer medizinischen Behandlung kann man nicht anhand von leicht zu messenden Parametern ermitteln. 8)
Dass man zur Qualitätsmessung möglichst bereits vorhandene Parameter nimmt und keine neuen, extra für diesen Zweck erhobenen, Messgrößen nimmt, ist in der Industrie Standard.
.
Schon die Frage, was Terminvereinbarung mit medizinischem Outcom zu tun hat, ist nicht so einfach zu beantworten.
Trotzdem steht in den Q-Handbüchern bzw. den Verfahrensanweisungen oder den Arbeits-Anweisungen häufig etwas zur Terminvereinbarung.
.
Ob ein Patient einmal, dreimal oder zehnmal anrufen musste, bis er seinen Termin bekommt, hat auf das medizinische Ergebnis null Einfluss.
Trotzdem wird der Patient eine Praxis, in der er schon beim ersten Anruf erfolgreich, einen möglichst zeitnahen, Termin vereinbaren konnte, eher als qualitativ höherwertig einschätzen, als wenn er fünfmal anrufen musste.
.
..... und dann brachte mich Schneuwly auf eine Idee. :idea:
Meine Überlegung:
„...Wie messe ich die Qualität von Schneuwly...“? führte zu der Frage, wie wird denn überhaupt die Qualität von anderen Dienstleistern gemessen? Ingenieure, Architekten, Steuerberater, Rechtsanwälte, Fachressort-Politiker....
.
Sollte man zu dem Ergebnis kommen, dass man die Qualität eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts nicht so ohne weiteres messen kann (und will), wäre es doch naheliegend zu fragen, wie (und warum) man denn die Qualität eines Arztes messen soll - wenn dies bei allen anderen Dienstleistern offensichtlich auch nicht so einfach ist.... :wink:

Eva Kaiser
Beiträge: 171
Registriert: Mo 5. Jun 2006, 15:19
Wohnort: Meiringen-Hasliberg, BE
Kontaktdaten:

Re: Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von Eva Kaiser » Mo 29. Jul 2019, 10:57

Das BAG wird eine Qualitätskommission aufstellen. Dabei wird die Qualität bereits jetzt auf einer anderen Ebene diskutiert als Anzahl Parkplätze vor der Praxis und Wartezeiten. Der Bundesrat spricht in seinen Kostendämpfungsmassnahmen von "pay for perfomence". Davor warnt mfe immer wieder, denn es würde zu einer Selektionieren des Patientengutes führen, wenn wir für die schwierigen Patienten, bei denen Gesundheitsziele bezüglich Blutdruck und HbA1C trotz erhöhtem Zeitaufwand nicht erreicht werden können, weniger Geld erhalten würden!

Schneuwyler imponiert durch seine Medienpräsenz und nutzt die Selbstdarstellung um für die Krankenkassen zu lobbyieren. Würden wir, mfe, jedesmal auf sowas reagieren, müssten wir dafür eine zusätzliche Stelle in der Geschäftsstelle schaffen. Wir reagieren auf Twitter schnell und direkt, ansonsten setzen wir auf unser eigenes Lobbying. Dabei werden die Gespräche nicht in der Öffentlichkeit, dafür aber mit den unmittelbar zuständigen Personen geführt. Wenn wir als Hausärzte einen Vertreter in der Qualitätskommission des Bundes entsenden dürfen, haben wir ein wichtiges Zwischenziel erreicht.

Was die Reaktion auf Zeitungsartikel angeht, sind wir auf eine aktive und aufmerksame Hausärzteschaft angewiesen, die selber immer wieder mit Leserbriefen reagiert.
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

blamperth
Beiträge: 141
Registriert: Di 20. Jun 2017, 13:05

Re: Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von blamperth » Mo 29. Jul 2019, 19:37

Nicht zu vergessen, dass Trump so gewählt wurde: alle haben sich darin übertroffen, mit Angriffen und Richtigstellungen seiner mehr oder weniger wahren Aussagen ihm eine möglichst mächtige Plattform zu bieten.
In diese Falle tappt MFE zum Glück nicht.

blamperth
Beiträge: 141
Registriert: Di 20. Jun 2017, 13:05

Re: Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von blamperth » Do 8. Aug 2019, 20:56

Zuerst soll doch einmal anhand der Krankenkassen gezeigt werden, dass sich "die Qualität" einfach so vergleichen lässt. Dem Sprecher auf der grünen Wiese ist sehr wohl bekannt, dass das nicht möglich ist, sonst würde er es ja tun, damit seine Kundschaft nicht nur aufgrund des Preises, sondern aufgrund der Qualität entscheiden kann. Die Wahl der Krankenkasse gleicht tatsächlich einem Blindflug, weshalb oft nur anhand des Preises entschieden wird.
Was schon bei den Krankenkassen nicht geht, kann nicht von uns, die wir viel komplexere Leistungen zu erbringen haben verlangt werden.
Es empfiehlt sich wieder einmal die Lektüre des Buches "Qualität in der Medizin" von Andrea Abraham und Bruno Kissling.
Zuletzt geändert von blamperth am Fr 9. Aug 2019, 06:30, insgesamt 2-mal geändert.

blamperth
Beiträge: 141
Registriert: Di 20. Jun 2017, 13:05

Re: Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von blamperth » Do 8. Aug 2019, 21:25

"Wir wollen davon ablenken" wieviele Kosten wir verursachen und behaupten offenbar, höhere Kosten in unserem Bereich würden anderenorts Kosten sparen.
Das ist natürlich kolossaler Unsinn. Es ist überhaupt nicht unsere ärztliche Aufgabe, Kosten zu verhindern, nein, wir sind aufgerufen, Leiden zu lindern, Krankheiten zu heilen und zwar nach unserem besten Wissen und Gewissen.
Wenn ich einen Diabetiker gut einstelle kann ich nicht zum Vornherein wissen, ob das Kosten verhindert (Hospitalisationen) oder solche generiert (langes Leben mit eventuell teuren Medikamenten und ärztlichen Kontrollen). Das darf mich auch nicht in erster Linie interessieren, sonst hat der Patient recht, wenn er, ohne dass meine Qualität irgendwo publiziert wäre, die Ärztin wechselt.
Wenn ich allerdings mit einer alten, gebrechlichen Person bespreche, dass in ihrem Fall weder eine Reanimation noch eine Beatmung noch eine Hospitalisation auf der Intensivstation sich mit ihrer Vorstellung von würdevollem Sterben vereinbaren lässt, dann spart das womöglich Kosten. Kosten, die unsinnig sind und deshalb eingespart werden sollen, wenn die Patientin das wünscht - und das tut sie meistens!

Allen, die von Krankenkassenprämien leben, direkt oder indirekt, sollte klar sein, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal in die Lage kommen, Patientin oder Patient zu werden. Wer nicht jung stirbt, wird alt werden, und wir werden alle einmal die Welt so verlassen, wie wir gekommen sind: nackt. Egal wie viel wir verdient haben.

Ich stelle mir vor, dass es mir in dieser Situation am besten geraten könnte, von der Welt Abschied zu nehmen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
1) Ich bin mit mir und dem, was ich hier, z.B. als Ärztin geleistet habe im Reinen.
2) Ich werde von Ärztinnen und Ärzten sowie von Pflegenden betreut, die nicht nur fachlich auf der Höhe sind, sondern Ruhe ausstrahlen und Trost spenden können. Die sich Zeit nehmen, weil sie das wollen und weil sie diese Zeit auch haben. Die mich als Menschen ernst nehmen und nicht als Mittel zur Steigerung des Umsatzes - denen es überhaupt noch möglich ist, als Menschen zu funktionieren.

Dass darüber so wenig gesprochen, geschrieben, ja, überhaupt nachgedacht wird, das ist die grosse Ablenkung!

blamperth
Beiträge: 141
Registriert: Di 20. Jun 2017, 13:05

Re: Comparis-Experte: «Die Ärzte lenken ab»

Beitrag von blamperth » Mo 12. Aug 2019, 22:23

Es gibt immer mehr Jobs, die unserer traditionellen Vorstellung einer sinnvollen Tätigkeit nicht mehr entsprechen"....
Mathias Binswanger hat wieder einmal zugeschlagen!

Antworten