Verordnung VIHT

Standespolitik, Tarif, Notfalldienst / Politiques professionelles, tarifs, services d’urgences

Moderator: Eva Kaiser

Antworten
markus.gnaedinger
Beiträge: 1422
Registriert: Mo 10. Jan 2005, 09:18
Wohnort: Steinach

Verordnung VIHT

Beitrag von markus.gnaedinger » Fr 22. Nov 2019, 07:33

Am 1.1.20 tritt die Verordnung "Integrität und Transparenz im Heilmittelbereich" (VIHT) in Kraft. Nach dem Grundsatz "do ut des" (oder eine Hand wäscht die andere) zielen Rabatte und sonstige Vergünstigungen, welche die Hersteller / Vertreiber von Heilmitteln uns Ärzten zukommen lassen, darauf, unser Verschreibungsverhalten günstig zu steuern. Da die Verschreibungen aber nur durch die WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) beinflusst werden sollten, hat der Gesetzgeber erneut eingegriffen, was sicher zu begrüssen ist. Allerdings sind diverse Formulierungen derart schwammig, dass viele Dinge noch unklar sind. So hat z.B. die Firma DoXmart (Rosenfluh, Galexis) noch keine konkrete Vorstellung davon, wie ab dem Stichdatum Einkaufsgemeinschaften abzuwickeln sind. Ich lade Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen dazu ein, hier Unklarheiten zu deklarieren; ich werde Ihre Fragen dann den FMH-Verantwortlichen vorlegen und deren Antworten hier vorstellen. Im Sinne der geforderten "Transparenz" tue ich das im öffentlich zugänglichen Forum und nicht in der CUG!

Artikel in der SAEZ:
1) https://saez.ch/article/doi/saez.2019.18398
2) https://saez.ch/article/doi/saez.2019.18432

markus.gnaedinger
Beiträge: 1422
Registriert: Mo 10. Jan 2005, 09:18
Wohnort: Steinach

Re: Verordnung VIHT

Beitrag von markus.gnaedinger » Fr 22. Nov 2019, 07:52

Meine eigenen Fragen:

a) Dual-use-Präparate: Die Verordnung bezieht sich ja auf kassenpflichtige Präparate. Die Grippeimpfung ist nur limitiert kassenpflichtig. Wie steht es mit Impfungen für das Personal (um die Patienten zu schützen), wie mit Boni für Firmenimpfungen?

b) Nicht-Pflicht-Präparate: Wie steht es mit nichtpflichtigen Präparaten wie Vitaminen, Stärkungsmitteln, Nasensprays, Halsweh-Lutschtabletten? Darf eine Firma, die beides, Pflicht- und Nichtpflichtpräparate verkauft, bei den NPL-Präparaten etwas "grosszügiger" sein, um den Arzt "schadlos" zu halten?

c) Fortbildungen: Ein Mittagessen bis 100.- CHF liegt drin, sofern medzinisch relevante Dinge besprochen werden ("Arbeits-Lunch") oder sofern ein eigentliches Beratungsgespräch vertraglich vereinbart worden ist. Wie steht es mit der Unterstützung von Kongressen, Qualitätszirken oder ähnlichen Veranstaltungen?

d) Spitäler: Sind Spitäler auch dieser Regelung unterworfen? Und falls nein, warum nicht? Und wie steht es mit Personen, die in der Praxis und am Spital beschäftigt sind?

e) Zuwendungen: Zuwendungen werden toleriert, sofern sie der Praxis / den Patienten nützen und 300.- CHF pro Jahr nicht übersteigen. Gilt das pro Firma oder pro Praxis.

f) Kontrolle: Wer kontrolliert eigentlich den ganzen "Jahrmarkt"? Wer hat die Dokumentationspflicht, die Pharma, der Arzt, beide?

dhoehener
Beiträge: 85
Registriert: So 18. Feb 2007, 19:47
Wohnort: Winterthur

Re: Verordnung VIHT

Beitrag von dhoehener » Mi 27. Nov 2019, 18:51

Die Rabatte und Kundenbindungsaktionen und Sponsoringgeschichten verstehe ich einfach nicht. Da führen Hochschulabgänger Kleinstfirmen mit einem meist hohen 6- oder gar knapp 7stelligen Umsatz und einem im Landesdurchschnitt gesehen sehr guten Einkommen. Weshalb lässt sich überhaupt jemand wegen ein paar läppischen Hundert Franken auf so etwas ein?

Ich zahle gerne mein Mittagessen selber und fühle mich deshalb nicht abhängig. Und gerne kaufe ich auch meine Bücher selber und bin froh wenn nicht am QZ noch irgend eine Fahne rumsteht und ein Vertreter rumwuselt dem ich irgendeine Gegenleistung schulde dafür dass die Sandwiches am QZ gratis sind. Und auch kann ich gut die Halswehpastillen mit 20 Rappen weniger Gewinn verkaufen. Ich wäre ganz klar dafür sämtliche Zuwendingen, Rabatte und jedes Sponsoring abzulehnen.

markus.gnaedinger
Beiträge: 1422
Registriert: Mo 10. Jan 2005, 09:18
Wohnort: Steinach

Krämer-Seelen?

Beitrag von markus.gnaedinger » Fr 29. Nov 2019, 07:15

Zur freien Marktwirtschaft (die zumindest noch teilweise bestand, als ich vor 26 Jahren in die Praxis ging) gehört auch das Einkaufen zu einem guten Preis, allerdings unter Einhaltung der geltenden rechtlichen Normen. Deswegen bin ich nie unter den Exfactory-Preis hinunter gegangen, auch wenn mir dies angeboten worden ist. Neu wird dies der Exfactory-Preis plus Transportkosten sein. Man muss deswegen keine Krämerseele sein, um gut einzukaufen - man darf sich lediglich nicht vom Preis (ausser der Wirtschaftlichkeit beim Patienten) beeinflussen lassen. Von der FMH habe ich (wegen Überlastung des Rechtsdienstes) noch keine Antwort auf meine Fragen erhalten. Auch der zweite Artikel in der SAEZ hat mich nicht schlauer gemacht. Eine gute Zusammenstellung der Rechtslage bietet das Separatum "Fit for VIHT?" der APA (Ärzte mit Patientenapotheke). Allerdings hat bei den verschreibungs- aber nicht kassenpflichtigen Präparaten (z.B. Grippeimpfung) die Bezeichnung "Standardpreis" ein neues Fragezeichen eröffnet: Wo kann man diesen Preis nachsehen und wer legt ihn fest?

funk
Beiträge: 137
Registriert: Do 6. Mai 2010, 10:51
Wohnort: St. Gallen
Kontaktdaten:

Re: Verordnung VIHT

Beitrag von funk » Fr 29. Nov 2019, 10:58

Jeder gute Kaufmann weiss, dass der Franken, der im Einkauf gespart ist, dann auf der Gewinnseite landet.
Gut einkaufen ist in jeder Branche überlebenswichtig.
Wer zum Ex-Factory einkauft, der hat gut eingekauft.
Unter dem Ex-Factory einkaufen war schon immer - wenn nicht verboten - so zumindest anrüchig.
1 oder 2 Prozent wären ja kaum ein Problem. 20 oder 30 Prozent eben schon.
Nun aber auch noch zu fordern, dass die Lieferung etwas kosten MUSS - das erscheint mir nicht einleuchtend.

Nehmen wir mal an, dass Firma X der Doktor Y zum Ex-Factorypreis beliefert und keine Lieferkosten berechnet.
Der Arzt zahlt pro Monat 25.000 Fr. für Medikamente.
Wenn nun wegen VIHT der Arzt noch 5% Lieferkosten zahlen muss (1250 Fr./ Monat), dann mag das den Lieferanten freuen, denn er bekommt jetzt dank VIHT 15.000 Fr. mehr pro Jahr - ohne jede Gegenleistung.
VIHT als Gelddruckmaschine für notleidende Grossisten ?

Nur der Endverbraucher (Arzt) kann diese Kosten NICHT weitergeben. ER zahlt für ALLES ohne Möglichkeit dies auszugleichen.

War DAS die Intention für VIHT ? Arzteinkünfte weiter zu beschneiden ?

Ich sollte in Zukunft peinlich darauf achten, dass ich allen staatlichen Stellen wegen der VIHT auch gesalzene Rechnungen stelle.
Nicht, dass ich noch wegen kostenloser Arbeit für staatliche Stellen dann mit VIHT Probleme bekomme.
Viele Grüße

Stefan Funk

Antworten