Im Parlament spricht sich derweil eine deutliche Mehrheit dafür aus, ambulant Tätige zum EPD zu verpflichten

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C.Huettenrauch
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Im Parlament spricht sich derweil eine deutliche Mehrheit dafür aus, ambulant Tätige zum EPD zu verpflichten

Beitrag von C.Huettenrauch » Fr 19. Jul 2019, 16:26

Um auf diese Entwicklung zugunsten der Ärzteschaft Einfluss nehmen zu können, wird sich die FMH an der Firma AD Swiss Net AG beteiligen
...In diesem Umfeld entstehen derzeit Zusatzdienste, die den Kommunikationsbedürfnissen der Gesundheitsfachpersonen entsprechen.
Darüber hinaus bieten diese Zusatzdienste eine echte Prozessunterstützung und tragen damit zu einer effizienteren Gesundheitsversorgung bei.
Selbstredend müssen die im EPD erfassten Daten und Zusatzdienste tief in die Primärsysteme integriert werden, um den administrativen Aufwand spürbar zu reduzieren...
https://saez.ch/article/doi/saez.2019.18019

Ein Leserbrief von mir wurde dort online schon veröffentlicht.

Der zweite Kommentar ist von der SAEZ-Reaktion kassiert worden....
Zuletzt geändert von C.Huettenrauch am Fr 19. Jul 2019, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.

C.Huettenrauch
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Aspekte aus dem Medizinrecht zur Arzt-Patient-Beziehung

Beitrag von C.Huettenrauch » Fr 19. Jul 2019, 16:35

Neben dem Problem der Daten-Akkumulation durch Dritte mit möglicher zweckentfremdender Verwertung besteht das Problem des Patientengeheimnis - abgesehen von der verunsicherten Datenspeicherung durch die Swisscom.
Offensichtlich entschwindet der Politik das Mandanten-Geheimnis von Ärzten aus dem Blickfeld,
was verwundert, da in den Parteien vermutlich sehr viele Rechtsanwälte genau dieses für sich in Anspruch nehmen.

Meine Frage wäre, ob die Autorin des Artikel in der SAEZ hier mitliest?
Oder ob ihr die Berichterstattung bekannt ist ausserhalb der Fachliteratur, die sie erwähnt?

Deshalb hier zur Meinungsbildung Aspekte aus dem Medizinrecht zur Arzt-Patient-Beziehung.

Roggo Antoine, PD Dr. med. Dr. iur. Executive MBA HSG, www.roggo.org
Facharzt FMH Chirurgie und FMH Intensivmedizin / Leiter Abteilung Medizinrecht am IRM der Universität Bern:
(S.26)

X. Berufspflichten
Arztgeheimnis:
„...Die Diskretions- und Geheimhaltungspflicht ist als negative Informationspflicht zu verstehen.
Der Arzt hat über das ihm von Seiten des Patienten aus Anlass seines Berufes anvertraute Wissen zu schweigen.
Dem Arztgeheimnis – besser wäre der Begriff Patientengeheimnis – liegt folglich das individuelle Interesse eines Patienten zugrunde.
.
Das Wissen des Arztes darf daher nur mit Einwilligung des Betroffenen oder in Ausnahmesituationen des rechtlichen Stellvertreters bzw. auf der Basis einer hoheitlichen Anordnung offenbart werden.
Es dürfen bei fehlender Arbeitsteilung / Teambetreuung eines Patienten folglich auch zwischen Ärzten keine vertraulichen Information zu einem Patienten weitergegeben werden.
)...“
.
Hat der Patient ein Recht auf Einsicht in seine eigene Krankenakte?
https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/f ... ht_ger.pdf
Weil das Arztgeheimnis vom Grundsatz her ein Patienten- und kein Arztgeheimnis ist, kann es dem Patienten nicht entgegengehalten werden.
Dem Patienten steht ein Einsichtsrecht zu, die Antwort ist Ja.
Das kennzeichnende Moment des Geheimnisses liegt folgedessen beim Geheimnisträger Arzt und nicht beim Geheimnisherrn Patient.
Entsprechend hat der Begriff Arztgeheimnis eine besondere Bedeutung. Er verdeutlicht nicht, dass etwas geheim sein darf, sondern geheim sein soll.
.
Geheimhaltungswürdig ist in diesem Zusammenhang alles, was der Arzt bei seiner Auftragsausführung in persönlicher und sachlicher Hinsicht von und zu seinem Patienten erfährt.
.
Die vom Arzt zu erwartende Diskretions- und Geheimhaltungspflicht begründen sich im Behandlungsvertrag, d.h. im Zivilrecht, aus der Nebenleistungspflicht, hierin der Nebenpflicht Sorgfalt (vgl. Abb. 2).
Im Strafrecht sind Normen für beamtete Ärzte festgehalten in Art. 320 StGB: Verletzung des Amtsgeheimnis (Offizialdelikt) bzw. für andere Ärzte in Art. 321 StGB: Verletzung des Berufsgeheimnisses (Antragsdelikt)
ME wäre es sinnvoll, wenn mfe bzw die FMH juristische Expertise einholen würde, um die allfälligen Fragen klären zu lassen und damit eine besser begründete Positionierung einnehmen zu können. Was meinen Sie?

Eva Kaiser
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Re: Im Parlament spricht sich derweil eine deutliche Mehrheit dafür aus, ambulant Tätige zum EPD zu verpflichten

Beitrag von Eva Kaiser » Mo 22. Jul 2019, 15:40

Allen aktiv am EPD beteiligten Vertretern ist diese Problematik bewusst und die FMH sicher mit ihrem Juristen am Tisch. In der öffentlichen Wahrnehmung (also auch in der des Parlamentes) wird ein EPD aber höher gewertet als das Patientengeheimnis. Viele haben den Eindruck, dass damit die Gesuchheitsfachleute endlich zur Zusammenarbeit gezwungen werden und Doppelspurigkeiten wegfallen, was dann zu Kosteneinsparungen führen würde. Wir alle wissen, welch Illusion das ist, fürchten, dass eine Datenflut schlussendlich nur zu Mehraufwand führen wird. Wir müssen das immer wieder und wo es nur geht betonen, d.h.: dort präsent sein, wo Illusionen geschürt werden! Podiumsdiskussionen, Leserbriefe usw., seid präsent! Überlasst das nicht alleine euren Standesvertretern, die über ihre Kanäle bereits aktiv sind, sondern bearbeitet eure Kanäle selber! Nehmt Einfluss auf die öffentliche Meinung!
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

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